Das Leben am Kap …

Meine letzten Tage in Muizenberg von voriger Woche sind eigentlich schnell erzählt. Da dies ja ein Stück außerhalb liegt, habe ich diese recht chillig begannen. Etwas die Umgebung erkundet, immer mal am Strand gewesen (und mir auch einen Sonnenbrand auf dem Rücken geholt, der aber fast schon wieder weg ist; es ist hier aber auch immer sauwindig … da merkt man das kaum), ausgeschlafen usw. usf. Dazu sei auch zu sagen, dass ich durch den Wind bedingt immer einen 1A Surferlook habe … ein Haare bändigen ist unmöglich. Patti, du wärst sicher neidisch ;) Letzten Mittwoch war ich schon mal in meiner neuen Bleibe in Gardens und Anke hat mich etwas rumgefahren und mir die Innenstadt gezeigt. Freitag hatte ich genug vom Chillen und so habe ich mich auch mal alleine auf Richtung Innenstadt gewagt. Dazu bin ich mit einem der Vorortszüge von Muizenberg ins City Centre gefahren und habe mich dort durchgekämpft. Ich glaube, die Ahnungslosigkeit war mir ins Gesicht geschrieben und ohne den leisesten Schimmer, wo ich mich überhaupt befinde, bin ich losgestampft. So viele Menschen und Eindrücke … das kann einen schon mal leicht überfordern. Irgendwann beschloss ich dann, dass es doch eine ganz gute Idee sei, mal in den Stadtplan meines Lonely Planet Reiseführers zu schauen und ich bin auch recht gut klar gekommen. Nur meine Füße machten mir einen Strich durch die Rechnung … ich hatte mir Blasen an den Fersen gerieben und konnte kaum noch laufen. Leider änderten auch die gekauften Pflaster nicht viel daran und so bin ich durch die Straßen gehumpelt in der Hoffnung, einfach irgendwo anzukommen. Eckard (Ankes Mann) hatte mich 22 Uhr nach der Arbeit wieder eingesammelt und „nach Hause“ gefahren. Um mir die Zeit bis dahin zu vertreiben, war ich bis dahin noch mit einem Unbekannten im Zula auf der Long Street … nett dort.

Es ist nicht schwer hier Leute kennenzulernen, vor allem als hellhäutige Blondine. Fast jeder zweite spricht einen an oder grüßt zumindest. Es ist wirklich nicht schwer mit jemanden ins Gespräch zu kommen, aber es ist schwer zu unterscheiden, wer es denn ernst meint. Man weiß nicht, wem man vertrauen kann, wer einfach freundlich ist oder wer dann doch etwas kurios unterwegs ist. Man muss wirklich aufpassen. Kapstadt ist wirklich eine tolle Stadt und es ist schade, dass diese Kriminalitätsgeschichte so ausgeprägt ist.

Sonntag ging es mit Darnell und Johannes (zwei Deutsche, die ein Praktikum an der Uni machen) nach Robben Island. Von der Waterfront mit der Fähre zur Insel, diese mit einem Bus + Zwischenstopps für Fotos durchquert, anschließender Führung eines Ex-Prisonsers durch das Gefängnis und zur Zelle von Nelson Mandela, ging es mit der Fähre wieder zurück nach Kapstadt. Eine nette und interessante Tour. Nur hätte ich mir mehr Bewegungsfreiheit gewünscht -man hatte kaum Zeit, die kleine Insel selbst zu erkunden. So mussten wir kurz vor Abfahrt noch mal schnell zu den Pinguinen rennen, um die Fähre nicht zu verpassen. Ansonsten leben dort auch noch Springböcke und andere Böcke (weiß der Geier wie die alle heißen) und Unmengen an Hasen/Kaninchen. Irgendwie wollen die Insel-Menschen die Kaninchen umbringen, weil es so viele sind. Doch diese sind hartnäckig und regieren die Insel weiterhin. Nur Robben ließen sich (trotz Name) nicht auffinden … dafür aber, als wir zurück an der Waterfront waren. Diese machten lustige Geräusche und zwei gaben sich einen Robben-Fight. Außerdem sei zu bemerken, dass der Blick von Robben Island auf Kapstadt einfach gigantisch ist … die Fahrt mit der Fähre, bei strahlendem Sonnenschein und einem Lüftchen auf der See, sowie des tollen Blickes auf Kapstadt war also sehr schön.

Außerdem bin ich Sonntag ja nun auch in das Häuschen in Gardens eingezogen. Es ist nun einiges leichter, weil das gleich bei der Innenstadt in der Nähe ist. Allerdings habe ich dann auch nicht mehr den Strand nur ein paar Meter entfernt. Dafür kann ich zur Arbeit laufen. Abends muss ich mir dann wohl sowieso ein Taxi nehmen oder eine Mitfahrgelegenheit organisieren, weil es nicht sehr ratsam ist, ab einer gewissen Uhrzeit alleine auf der Straße zu laufen. 17 Uhr schließen in der Innenstadt schon die Läden und dann leert sich diese auch langsam. Auf belebten Straßen wie der Long Street kann man sich schon noch rumtreiben, aber in anderen Straßen sollte man aufpassen. Ohne Auto ist es hier nicht ganz einfach, von A nach B zu kommen. Der öffentliche Verkehr ist kaum oder schlecht vorhanden. Abends wurde gegrillt … allerdings verlassen mich die Bewohner nun nach und nach. Diese hatten nämlich das Glück im schönen Sommer in der Season hier zu sein. Aber es kommen ja auch neue; das ist hier ein ständiger Wechsel. Derzeit sind noch Leonie aus Berlin (geht Montag), Kristin aus lovely Leipzig (Ende April) und Esther aus Barcelona (Mai) da. Karsten aus Hamburg ist schon Dienstag abgereist … er war aber auch nur zwei Wochen da. Ende April zieht dann Dimitri ein.

Dienstagabend war ich ein wenig auf der Long Street unterwegs … bis auf zwei bis drei Ausnahmen waren wir eine relativ große Deutsch-Truppe. Nach dem Zula gings ins Marvel das ist so eine Mischung aus Bar und Club. Nur gibt es keine Tanzfläche (also halt nur in den Gängen) und deshalb war es wahnsinnig eng. Wir haben lustig getanzt und es war eigentlich recht amüsant. Fabiene war mit einer meiner Kommilitonen (Leonie) auf der gleichen Schule … wie klein die Welt ist. Und überhaupt rennen hier ziemlich viele Deutsche rum. Man lernt meistens Deutsche aus anderen WGs kennen, die dann auch wieder Deutsche kennen und so erweitert sich der Deutsch-Klan immer mehr.

Dieses Wochenende ist hier International Jazz Festival. Coole Sache, nur leider kann man sich nur Tagestickets kaufen, daher weiß ich noch nicht, ob ich hingehen werde. Mittwoch fand allerdings auf dem Greenmarket Square zum Auftakt ein Gratis-Konzert mit Pete Philly & Perquisite, The Stylistics, Claire Philipps und noch weiteren statt. Auch sehr schöne Sache (mal abgesehen von dem Typ, der mir das Handy aus der Tasche klauen wollte). Nur leider haben wir uns die letzten beiden Acts (Pete Philly & Perqusite und Stylstics) nicht mehr angeschaut, obwohl ich mich für diese eigentlich am meisten interessiert hatte. Aber das Stehen machte sich irgendwann bemerkbar und außerdem stand noch ein Braai (Afrikaans und südafrikanischer Slang für „Grillen“) in der WG von Jaques und Fabiene an. Evtl gibt es heute und morgen schon wieder einen Braai … das macht man hier sogar noch öfter als in Deutschland.

Gestern Abend war ich mit Kristin und ihren Freunden (u.a. Dimitri) auf den Signal Hill zum Sonnenuntergang anschauen. Wow! Mehr kann man da wohl nicht sagen … wahnsinnig schön. Und der Blick auf Kapstadt in der Nacht ist wirklich magic. Später ging es noch in das Haus von Dimitri & Co, wo mich die weiteren Mitbewohner überredeten noch mal mit ins Marvel zu kommen. Da sie mir die meisten Getränke ausgaben, brauchte das natürlich nicht viel Überredenskunst ;) Aber der Abend macht sich heute wirklich bemerkbar. Der Gang auf Arbeit (ja ich arbeite nämlich seit gestern … falls man das so nennen kann) war mehr als anstrengend; es ist sehr heiß heute.

Mein Praktikum sollte eigentlich schon Mittwoch anfangen, aber wie die Afrikaner halt so sind, begann es dann doch erst gestern. Wie erwartet alles total gechillt – ich habe eigentlich noch nichts zu tun. Nächste Woche soll es wohl dann losgehen (na ich bin ja mal gespannt). Mein „Chef“ erklärte mir das Musikbusiness von Südafrika. Ich habe immer nett genickt, aber eigentlich nur die Hälfte verstanden. In Englisch bekommt man dann doch nicht alles so mit und außerdem reden die Südafrikaner auch ziemlich viel Slang. Ich denke, Mittwoch kann ich mir dann mal frei nehmen (zumindest habe ich das schon so eingeplant, haha) …denn dann werde ich super Statistin in einer Werbung sein. Das läuft über Richard, den ich am Strand kennengelernt habe, als er mich fragte, ob ich denn mal auf seine Sachen aufpassen könnte. Er kommt aus Kapstadt und ist Broadcasting Director. Er meinte gleich, dass ich ihn doch mal bei Facebook anschreiben soll und dann könne er mir etwas die Stadt zeigen, sowie mit seinen Freunden um die Häuser ziehen. Easy going. Gesagt, getan. Das mit dem Weggehen hat zwar noch nicht geklappt, aber dafür werde ich jetzt Statistin und bin dann wahrscheinlich bald berühmt hier ;). Immerhin gibt es dafür 350 Rand (ca. 27€). Das reicht zumindest für so manchen Tagesausflug.

Was gibt es sonst zu sagen? Ich laufe immer noch ohne jeglichen Plan durch die Innenstadt aber ab einer gewissen Stelle weiß ich wenigstens, wie es nach Hause geht. Ich laufe also einfach immer grob in die Richtung und irgendwann kommt schon etwas, was mir bekannt vorkommt. Der Verkehr hier ist aber auch sehr interessant. Mal abgesehen davon, dass hier Linksverkehr ist und ich jedesmal überlegen muss von welcher Seite die Autos kommen, haben die Ampeln eine mir nicht schlüssige Schaltung. Es blinkt hier nur kurz grün auf und dann ist es schon wieder rot (auch wenn die Autos noch eine Weile rot haben). So kommt es also, dass man zu 90% bei Rot über Die Ampel geht und anfängt auf den Verkehr anstatt auf die Ampel zu schauen. Ein anderes Motto scheint hier auch drink and drive zu sein. Da man abends auf Auto oder Taxi angewiesen ist, fahren wohl viele trotz Alkoholkonsums.

So, das war es erstmal von mir. Nun habe ich wahnsinnig viel geschrieben und auch ein wenig den Überblick verloren … aber ich hoffe, ich kämpft euch trotzdem durch. Mal sehen, was das Wochenende so bringt …

Bis bald,

Anne                                                                                                     

Ankunft in Kapstadt

Über Robben Island hinweg, vorbei am Tafelberg geht’s zum Flughafen. Am Montagmorgen (23.03.) gegen 06.45 Uhr landete mein Flugzeug in Kapstadt –und damit auch ich. Der Flug von London war eigentlich recht entspannend, es war auch nicht so voll. Die zwei Plätze neben mir waren frei – also konnte ich mich nachts über alle drei Plätze legen und sogar ein paar Stunden schlafen. Schließlich ging die Anreise ja schon in der Nacht vom Sonntag mit der Fahrt nach Frankfurt los.

Anke hat mich vom Flughafen abgeholt. Sie ist Deutsche und lebt mit ihrem Mann seit 41 Jahren in Kapstadt. Die beiden vermieten die Räume eines Hauses in Gardens, in dem ich hausieren werde. Da momentan noch alle Zimmer besetzt sind, komme ich erstmal in einem Zimmer ihres Wohnhauses in Muizenberg unter. Das liegt allerdings ein ganzes Stück von der Innenstadt entfernt.

Nach langem Suchen nach Ankes Auto, geraten wir auf der Autobahn genau in den morgendlichen Arbeitsverkehr und kommen kaum vom Fleck. Anke betont immer wieder, dass sie Vordrängeln hasst. Dabei fährt sie in der Spur nebenan, drängelt sich dann in die eigentliche rein und freut sich, wenn wir ein Stück vorwärts gekommen sind. Wenn man in die Autos nebenan schaut, kann man so ziemlich jede Nation erblicken – Schwarze, Farbige, Weiße,… . Viele sitzen einfach ungesichert hinten in den Anhängern der Autos. An den Straßenrändern liegt viel Müll. Die Sonne knallt ins Auto rein. Mir ist warm, Anke ist kalt. Sie erzählt, dass in den letzten Tagen bis 40°C waren, es aber jetzt abkühlen soll. Super Timing denke ich mir – ich wollte doch noch ein paar Sonnenstrahlen erhaschen. Außerdem erzählt sie, als wir an einer Gruppe Arbeiter vorbei fahren, dass meistens drei von ihnen rumstehen und nur einer arbeitet. Und es stehen wirklich mehrere schwarze Arbeiter grinsend einfach nur da und schauen in der Weltgeschichte herum, während einer von ihnen ab und zu mal die Schaufel schwingt. Nicht zu oft versteht sich. Einer von ihnen winkt mir, ich winke zurück. Links ist ein Township ausgeschildert. Zu diesem fährt auch einer der voll besetzten Golden Arrow Busse. Wir fahren geradeaus weiter. Auf dem weiteren Weg kommen wir unter anderem an der Universität Kapstadts und einer Ausschilderung zu „Queen Anne“ vorbei. Aber hallo!

Die beiden wohnen in einem wunderschönen alten viktorianischen Haus. Mit ihnen zusammen noch zwei Katzen und ihre Maid Sunny. Diese ist mittlerweile allerdings in Rente und wohnt nur noch da oder verrichtet nur kleine Ordnungsaufgaben. Später war ich noch mit Anke etwas essen und am Hafen. Sie warnt mich vor den südafrikanischen Jungs und dass ich sie am besten ignorieren soll, wenn sie mit mir reden. Letzte Woche wurden wohl zwei von ihnen erschossen. In einem kleinen Park an der Straße wimmelt es nur so von Obdachlosen. Diese hingegen seien aber völlig ungefährlich. Sie leben einfach „nur“ auf der Straße und betteln, weil sie kein Geld haben. Am Hafen meint ein Junge zu mir:“Hello madame!“, ich grüße diesmal nicht zurück. Ich musste an Ankes Worte denken, aber vielleicht wollte der Junge auch einfach nur freundlich sein. Schließlich ist es hier nichts ungewöhnliches, wenn man von fremden Leuten auf der Straße gegrüßt wird. So richtig kann ich das allerdings noch nicht unterscheiden. Meistens grüße ich aber zurück.

Bis bald mit hoffentlich spannenderen Geschichten meinerseits,

Änn

 

Grüße von der Südhalbkugel

Hallo ihr Lieben,

für alle, die nicht mehr daran geglaubt haben, dass es hier jemals noch was zu lesen geben wird, gibt’s jetzt die Entwarnung: heute werde ich endlich meinen Blog zum Leben erwecken. Zwar weiß ich noch nicht genau, wie hier alles funktioniert, aber sobald ich das erforscht habe, werde ich dann auch mal ein paar erste Bilder hochladen.

Der erste Artikel ist schon etwas veraltet. Ansonsten versuche ich nun hier mehr oder weniger regelmäßig meine Ereignisse zum besten zu geben.

Ich hoffe, euch geht’s gut und ihr habt einen schönen Frühling,

Anne